Tätigkeitsbericht

Tätigkeitsbericht des Steiermärkischen Forstvereins für das Jahr 2020                     

                                   
1. FACHTAGUNGEN 
1.1. Frühjahrs-Regionalseminar
am 3.3.2020 in der Försterschule Bruck/Mur und in Admont/Grabnerhof
am 4.3.2020 in Graz, Steiermarkhof

Themen: Haftungsfragen; Verwendungsmöglichkeiten von klimafitten Baumarten

Referenten:
Mag. Patrick Majcen LL.M., Landwirtschaftskammer Österreich, Rechtsabteilung, Wien: „Haftungen im Forstbetrieb“ Neue Entwicklungen im Wald, auf und neben Wegen, bei der Holzernte, im Baumschutz

Dipl.-Ing. Dr. Michael Grabner, Institut für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe, Universität für Bodenkultur, Wien: „Klimafitte Baumarten und deren Verwendungsmöglichkeiten“ Mögliche Einsatzbereiche und zukünftige Verwendungen

Im Rahmen der Regionalseminare wurde der Grüne Nachwuchspreis an Dipl.-Ing. Jana-Sophie Ette und ein Anerkennungspreis an Samuel Auer, BSc. überreicht. 
244 Teilnehmer

1.2. Seminar: Forstkartenerstellung mit QGIS-Forst
30.-31.1.2020, FAST Pichl
8 Teilnehmer

1.3. Seminar: Douglasie & Co. Die Risiken fremdländischer Baumarten
4.3.2020, FAST Pichl
25 Teilnehmer

1.4. Seminar: Vom Nutzen der Bäume und Sträucher
17.10.2020, FAST Pichl
23 Teilnehmer

2. JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG 2020
Die Jahreshauptversammlung des Steiermärkischen Forstvereins und die Jubiläumsfeier anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Försterschule Bruck an der Mur war für 16. Oktober 2020 geplant und fertig organisiert, musste jedoch aufgrund der verschärften Maßnahmen im Zuge der Corona Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Das Thema lautete „Forstliche Bildung als Grundlage zur Lösung heutiger Herausforderungen an die Waldbewirtschaftung“ 
In der Mitgliederversammlung, welche im kleinen Kreis abgehalten wurde, sind die wesentlichen Punkte abgehandelt bzw. auf die Mitgliederversammlung 2021 vertagt worden. 
Die Tagung wurde unter Beteiligung des Vorstandes des Steiermärkischen Forstvereins als Online-Veranstaltung durchgeführt und kann auf der Homepage der Forstschule www.forstschule.at nachgeschaut werden.

Als Festreferent konnte Univ.-Prof. DI Dr.nat.techn. DDr.h.c. Hubert Hasenauer gewonnen werden, er referierte zum Thema „Forstliche Bildung als Grundlage zur Lösung heutiger Herausforderungen“

In Vertretung von Frau BM Elisabeth Köstinger überbrachte Mag. Christian Kasper, Leiter der Abteilung Präs. 4, BMLRT die Grußworte und hielt die Festansprache.

Ein „Rückblick und Ausblick – 120 Jahre HBLA Bruck/Mur – Entstehung, Werdegang und Zukunft der Försterschule“ wurde von Schülerinnen und Schülern der HBLA Bruck gestaltet. Die Musikalische Umrahmung erfolgte durch SchülerInnen und LehrerInnen der HBLA Bruck.

Exkursion: Auf den Spuren der historischen Lehrwanderung 1906
In einer kleinen Gruppe wurde der Gedenkstein am Hochanger feierlich enthüllt.
Vier weitere Exkursionen konnten leider nicht stattfinden.

3. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

3.1. Waldfest am Grazer Hauptplatz „Unser Wald in guten Händen“ 
Das für 17. Juni 2020 geplante Waldfest „Wald zieht an“ musste leider abgesagt werden. Ebenso wurde der bereits ausgeschriebene Zeichen- und Videoclip-Wettbewerb in den steirischen Schulen (1.-8. Schulstufe) wieder zurückgezogen. Die bereits vorbereiteten Inhalte werden im nächsten Jahr umgesetzt.

3.2. Grüner Nachwuchspreis
Der Steiermärkische Forstverein hat sich zum Ziel gesetzt, die Kontakte und den Wissensaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft zu verstärken. Am 3. März 2020 wurde im Rahmen der Frühjahrs-Regionalseminare in Bruck/Mur der Grüner Nachwuchspreis - eine Auszeichnung des Steiermärkischen Forstvereins für herausragende forstliche Abschlussarbeiten - an Dipl.-Ing.  Jana-Sophie Ette überreicht. Das Thema der Arbeit lautet „Einflussfaktoren auf die Biodiversität in laubwalddominierten Waldökosystemen“.
Ein Anerkennungspreis erging an Samuel Auer, BSc. Seine Arbeit „Die Beeinflussung des Waldes und seiner Funktion durch moderne Freizeitaktivitäten“ wurde damit gewürdigt.

3.3. „Grüner Zweig“ an Försterschule Bruck an der Mur
Anlässlich der Jubiläumsfeier zum 120-jährigen Bestehen wurde der „Grüne Zweig“ vom Steiermärkischen Forstverein der Försterschule Bruck an der Mur überreicht.

Der „Grüne Zweig“ wird seit 1990 an Personen oder Institutionen verliehen, die sich besonders für den steirischen Wald und die Forstwirtschaft einsetzen, ihn durch ihre Aktivitäten erhalten, fördern oder dessen Produkte weiterentwickeln.

Gegründet 1900 auf Initiative des Steiermärkischen Forstvereins nimmt sich die Forstschule in Bruck an der Mur seit 120 Jahren der Ausbildung des forstlichen Nachwuchses an. Unterschiedliche politische Zeiten kamen und gingen, aber die Forstschule hat sich weiterentwickelt und präsentiert sich heute als moderne, bestens ausgestattete höhere Schule mit Reifeprüfung und Diplomabschluss zum Forstadjunkt. Diese umfassende technische, wirtschaftliche und soziale Ausbildung kann in 5 Jahren oder als 3-jähriger Aufbaulehrgang für Absolventen einer land- und forstwirtschaftlichen Fachschule erworben werden.
So werden nicht nur die beiden Lehrforste erfolgreich bewirtschaftet und bewunderte waldpädagogische Initiativen gesetzt, sondern auch vielfältige Projekte wie z.B. die Rekultivierung der Mürzau oder die Wanderausstellung „Der Wald kommt in die Stadt“ umgesetzt. Bei den Waldarbeitswettbewerben zeigen Schüler und Schülerinnen der Forstschule immer wieder ihr Können als Europameister. Beim Waldfest am Grazer Hauptplatz sind die SchülerInnen und das Lehrpersonal immer als Auskunftspersonen über die Leistungen des Waldes und als Betreuer von Schulklassen dabei.

Lösungskompetenz braucht gute Wurzeln – diese werden in der Försterschule Bruck gelegt. Sie helfen wesentlich, die Herausforderungen der heutigen Zeit zum Wohl des Waldes zu meistern.

4. REISEN – EXKURSIONEN

4.1. Forstliche Studienreise Teneriffa
8.-17. Mai 2020
Unter der Leitung von Dr. Werner Huber organisierte der Steiermärkische Forstverein eine Studienreise nach Teneriffa, welche aber leider Corona bedingt abgesagt werden musste.

4.2. Forstexkursion nach Kärnten/Lavanttal
11.-13. September 2020
Der Steiermärkische Forstverein organisierte von 11.-13. September 2020 eine Exkursion nach Kärnten. Neben den fachlichen Aspekten, der Kultur und der Kulinarik, so wie bei allen unseren Reisen, gab es bei der heurigen, im Zeichen von Corona stehenden Forstvereinsexkursion noch die zusätzliche Gelegenheit, im Klopeinersee den Tag mit einem erfrischenden Bad beginnen bzw. beenden zu können. Dies wurde von den 42 Teilnehmern auch sehr gerne genützt.

Kalamitäten und ihre Folgen
Forstmeister Dipl.Ing. Dr. Bernhart Binder, Benediktinerstift St. Paul, führte uns am ersten Exkursionstag durch das Revier St. Vinzenz auf der Soboth. Thema waren die Kalamitäten der letzten 18 Jahre und ihre Auswirkungen. 

Im Jahr 2002 waren von den 1.494 ha Wirtschaftswaldfläche durch Wind- und Schneebruch 540 ha betroffen. 52 ha wurden vollflächig geräumt, 170 ha waren zu mehr als 50% geschädigt und auf weiteren 318 ha wiesen zahlreiche Bäume Wipfelbrüche auf. Rund 24.000 Festmeter Holz fielen bei der Schadensaufarbeitung an. Der durchschnittliche Deckungsbeitrag lag bei 39 € pro Erntefestmeter.

Verbunden mit hohen Kosten war auf den Restflächen die Vergrasung ein großes Problem. Durch den niedrigen Bestockungsgrad unter 0,5 war die Kultivierung bzw. Naturverjüngung der Schadflächen sehr aufwendig. Nach 18 Jahren zeigen sich schöne Waldbilder, strukturierte verjüngte Baum- und Althölzer. 

Im Juni 2006 kam es im Revier auf der Koralm zu einem Hagelschlag auf einer Fläche von 200 ha, wovon 123 ha besonders stark geschädigt wurden. 16 ha, hauptsächlich 60-jährige Bestände, mussten geräumt werden. Die Schadholzmenge betrug rund 3.500 Festmeter. Weitere 23 ha Stangenholz und 10 ha Dickungen trugen sehr schwere Schäden davon, es wurden die Terminaltriebe durch den Hagel einfach abgeschlagen. Auf der Wetterseite der Baumkronen fand eine fast vollständige Entnadelung statt und der Aufschlag der Hagelkörner verursachte Rinden-, Trieb-, Knospen- und Holzschäden. Die Schäden des Hagelschlages sind heute noch deutlich sichtbar. An den Bohrkernen zeigen sich in den Folgejahren deutliche Zuwachsverluste.

Ein noch größerer Holzanfall von rund 46.000 Festmeter auf 112 ha Fläche war ein Windwurf - das Resultat eines Gewittersturms im Mai 2009. 45 Prozent der betroffenen Flächen waren jünger als 80 Jahre, was wirtschaftlich besonders schwerwiegend war. Aufgrund höherer Holzerntekosten, verursacht durch die geringeren Media, und niedriger Holzerlöse wegen geringwertiger Sortimente lag der erntekostenfreie Erlös bei 45 € pro Erntefestmeter.

Aktiv gemanagte Freizeitaktivitäten
Am Samstag bekamen wir am Petzen, dem „Top of Südkärnten“ in den Karawanken von Dipl.Ing. Hubert Ramskogler, Forstkollege und Geschäftsführer der Petzen-Bergbahnen GmbH., Einblicke in die Welt des Sommer- und Winterfremdenverkehrs. Das präsentierte Thema war Walderhaltung versus Freizeitnutzung und alternative Einkommensmöglichkeiten. Das touristische Angebot am Petzen ist vielfältig und reicht von Wandern, Klettern, Mountainbiken und Paragleiten im Sommer, bis hin zu Skifahren, Snowboarden und Schneeschuhwandern im Winter. Die Petzen ist Teil des grenzüberschreitenden „Geopark Karawanken“. Auf einer Gesamtfläche von 1.067 km² werden abwechslungsreiche Programme, Wanderrouten, Veranstaltungen und Kulturtipps sowohl im Sommer als auch im Winter angeboten. Sogar den höchstgelegenen Christkindlmarkt Österreichs findet man hier.
Schwerpunkt im Sommer sind die Down-Hill-Mountainbiker, die verpackt wie Ritter, Dank eines bestens gewarteten zur Verfügung stehenden Streckenangebots von Abfahrten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade sich an die offiziellen Radrouten halten. Die Kosten für die Instandhaltung der rund 23,5 Kilometer Radwege betragen pro Jahr 100.000 €. An 120 Öffnungstagen im Sommer werden 48.000 Gäste, davon rund 13.000 Biker mit der Bergbahn befördert. Im Winter werden an ca. 110-120 Skitagen 70.000 Gäste transportiert.
Ausschlaggebend für den Erfolg ist die Bereitschaft der 35 Grundeigentümer den Ganzjahresbetrieb zu ermöglichen. Dafür gibt es Dienstbarkeitsverträge, wo neben der Pacht auch die wirtschaftlichen Erschwernisse abgegolten werden.

Mit einem Besuch im Werner-Berg-Museum in Bad Bleiburg, da wo „Manfred Deix auf Werner Berg trifft“, rundeten wir den zweiten Tag der Exkursion ab.

Grundinanspruchnahmen und ihre Auswirkungen
Dr. Binder schilderte uns am Sonntag seine Erfahrungen mit dem Bau der Koralmbahn und weiterer Infrastrukturprojekte, wie Gas- und Stromleitungen, die auf den Flächen des Benediktinerstiftes St. Paul stattfinden. Das Tunneleingangsportal der Koralmbahn auf der kärntnerischen Seite mit einem noch zu errichtenden Bahnhof befindet sich auf Stiftsgrund. Begonnen wurden die ersten Arbeiten am Bahnprojekt 1998, mit einer Fertigstellung ist ca. 2026 zu rechnen. Dieses Infrastrukturprojekt mit seinen Herausforderungen begleitet Dr. Binder sein ganzes Berufsleben lang.

Ein Abriss über die Geschichte des Stiftes und eine Führung durch die Stiftskirche sowie ein Spaziergang durch den Barock- und Kräutergarten rundeten die Forstvereinsexkursion ins Lavanttal ab.

Bei Backhendl, Zander oder Zwiebelrostbraten und Apfelkuchen in Gamlitz wurde noch ein Resümee über die Reise gezogen. Der Forstverein bedankt sich herzlich bei allen, die mit ihrem Engagement zum Erfolg der Reise beigetragen haben.
42 Teilnehmer

5. PRESSE -UND INFORMATIONSAKTIVITÄTEN

5.1 Herausgabe der Mitgliederzeitschrift "Grüner Spiegel", vier Quartalsnummern/Jahr 
Der Steiermärkische Forstverein gibt für seine rund 900 Mitglieder den „Grünen Spiegel“ heraus. Um die Reichweite zu erhöhen, liegt er allgemein zugänglich in allen Bezirksforstinspektionen, Bezirkskammern, in der HLF Bruck/Mur, dem Steiermarkhof in Graz und der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl zur freien Entnahme auf. Die Auflage beträgt 1500 Stück pro Ausgabe, es werden 4 Ausgaben pro Jahr erstellt.

5.2 Tagungs- und Aktionsberichte, Informationen in Fachpresse und öffentlichen Medien

5.3 Homepage www.steirischerwald.a

Aktuelle Informationen über den Wald und auch Vereinsnachrichten sind auf diesem Internetauftritt zu finden. Die Inhalte werden laufend aktualisiert und sind allgemein zugänglich. Weiters können Unterlagen heruntergeladen oder bestellt werden und der Internetauftritt ermöglicht ein schnelleres Kommunizieren. Öffentlichkeitsarbeit und Pressearbeit zu aktuellen Themen und Veranstaltungen. Aufgrund der geänderten Anforderungen muss die Homepage neu programmiert und auf die gängigen Formate angepasst werden.
Neugestaltung, Konzeption und Umsetzung einer neuen Homepage in Kooperation mit dem Agrarverlag, welche den neuen technischen Anforderungen entspricht.

6. VORSTANDS- UND AUSSCHUSS-SITZUNGEN, BESPRECHUNGEN 
6.1. Ausschuss-Sitzung am 6. Juli 2020 in Graz und am 16.12.2020 online via ZOOM
6.2. Sitzung des Bildungsausschusses am 24. November 2020 in Bruck/Mur

MITGLIEDERBEWEGUNG

01.01.2020 902 Mitglieder
 22 Beitritte
 11 Austritte
   9 Todesfälle
31.12.2020 904 Mitglieder